posted by admin on Jul 5

Alles Kulturelle scheint heutzutage Zyklen zu unterliegen, und die Low Fidelity erscheint heute wieder notwendigerweise als attraktiver Gegenentwurf – so sehr manch einem Boxenliebhaber die Ohren bluten werden.
Natürlich ist das mit den Zyklen eine vereinfachende Denkfigur. Aber welche Denkfigur, welche Anwendung von Sprache, ist nicht notwendiger Weise simplifizierend? Die Bedeutungsaufladung der mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrenden formalen Trends ist ja doch immer neu. It’s the same old song, but with a different meaning since you’ve been gone“ (The Four Tops, 1966) – „Hört sich an wie immer, das alte Symbol, doch die Bedeutung ist eine andere wohl“ (Die Goldenen Zitronen, „Schorsch und der Teufel“, 1994). Heutzutage findet man keine eindeutige Dominanz einer bestimmten Retrowelle mehr vor; spätestens, seit um 1998 herum das Achtzigerrevival ausgerufen wurde, spuken alle Jahrzehnte seit den Fünfzigern parallel. Mindestens. Doch es sind immer wieder unterschiedliche Aspekte, die heraus gestellt werden. Und leider, leider, ist es heute doch wieder immer mehr die musikalische Kunstfertigkeit und die gelackte Produktion, die den Mainstream beherrscht. Und nicht nur den Mainstream. Dabei spricht naturgemäß – und das weiß jeder Leser – grundsätzlich nichts gegen eine teure und aufwendige Produktion. Man denke nur an Steely Dan. Doch nicht alles, was teuer und aufwendig ist, ist auch gut. So ist doch heute die meiste Musik für Radio und Handy kaputtkomprimiert. Fürs Handy, damit man damit halbwegs etwas hören kann, fürs Radio, weil die Musik so lauter klingt. Und lauter, das heißt zwischen all den anderen konkurrierenden Songs, die verkauft werden sollen, „besser“, weil das der Hörer wohl tatsächlich so wahrnimmt. Doch was will der bewusste Hörer mit Musik, der jegliche Dynamik abgeht? Und das nicht als Effekt, sondern als Regel? So etwas geht auf Dauer natürlich gehörig auf den Keks.

„Hier geht es um Musik, auch wenn dir das nicht liegt…

…und wenn der Sound dir so gefällt, dann geht es nicht um Geld.“ Singt Andreas Dorau. Und Recht hat er. Und wer mit seiner Musik nicht in erster Linie Geld verdienen möchte, sondern Musik um ihrer selbst willen macht, der oder die ist frei, zu machen, was er/sie will. Entsprechend den finanziellen Möglichkeiten und des gewählten künstlerischen Weges natürlich. Und das kann gerade in Zeiten wie diesen, in denen der Lack regiert, gut zur Herausstellung des Billigen im Sound führen. Als Statement gegen die Überproduktion, als Möglichkeit zum schnellen Arbeiten (wer weniger am Sound feilt, kann mehr aufnehmen), als Mittel zur Äußerung eines idiosynkratischen Sounds. Lo-Fi stellt definitiv eine Alternative zu einem festgefahrenen Musikbusiness dar, auch wenn sich dafür manch ein High-End-Hörer erst einmal umgewöhnen muss. Doch auch diese Ästhetik kann in sich selbst erstarren – „man muss immer in Bewegung bleiben (JaKönigJa, „Jedes Wort“).

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